Was siehst du?

Eine spannende Reise für die Augen

Doris Dreyer stellt in der Alten Mädchenschule aus

Von Christa Bechtel

Ostercappeln/ Doris Dreyer aus Belm-Vehrte liebt kräftige Farben, die sie meistens in Öl, oft sogar mit einem Spachtel in mehreren Schichten auf die Leinwand bannt. Ihre Gemälde gehören zur informellen Kunst, die manchmal bizarre Formen, Kontraste, Linien aufweisen. Daher heißt die neue Ausstellung des Kulturrings Ostercappeln – Kurios – in der Alten Mädchenschule am Kirchplatz in Ostercappeln auch „Was siehst du?“

 Dort schickt Doris Dreyer die Betrachter auf eine Reise, um selbst Interpretationen zu finden. - „Ich habe immer gerne Kunst gemacht“, betont die Künstlerin im Gespräch mit unserer Zeitung. Deshalb habe sie nach dem Abitur auch Kunst und Mathematik als Wahlfächer studiert. Aber: „Ich wollte immer in Öl malen, was es damals an den Schulen nicht gab“, erklärt die Realschullehrerin im Ruhestand. Ende der 1990er Jahre bekam sie jedoch die Chance, an einem Kursus des Künstlers Claus-Gero Heitmann im Kloster Malgarten (Heitmann lebte dort) teilzunehmen. „Da hat mein Malen richtig angefangen und ich konnte fantastisch in die Farben rein“, sagt Doris Dreyer lächelnd, die in Malgarten in einer Gruppe zehn Jahre malte. Als Heitmann nach Bremen zog, wechselte die Künstlerin zu einem Kreis nach Georgsmarienhütte. Dort lernte sie auch Druckgrafiken und Aktmalerei. „Da ich ein großes Haus geerbt hatte, habe ich daraus eine Galerie gemacht“, verdeutlicht die Vehrterin. Auf die Frage, woher sie ihre Inspirationen bekommt, erläutert sie: „Das kann eine Anregung durch ein Foto sein – oder ich male oder drucke einfach drauf los.“

Zur Vernissage konnte Kurios-Vorsitzende Susanne Winkler wieder etliche Kunstinteressierte begrüßen. Darunter auch Vertreter des „Starken Dorfes“. Anhand der ausgestellten Bilder führte Doris Dreyer selbst in ihre Ausstellung ein. „Jeder hat andere Erfahrungen, andere Erlebnisse“, ging die Künstlerin darauf ein, dass jeder etwas anderes in den Bildern sehen würde. Näher stellte sie eingangs ihre Arbeit „Kopf über“ vor. „Für mich sind das ganz ungewöhnliche Farben. Das Lila liegt mir eigentlich gar nicht, passt gar nicht zu mir“, meinte sie schmunzelnd. Schon wies sie auf Nase, Mund, Kopf, Hals, was sofort zu anregenden Diskussionen im Publikum führte. „Lange hieß das ‚Kopf über‘, bis ich es kurz vor Ostern im letzten Jahr anders herum aufhing. Seitdem heißt es ‚Ostern‘“. Gemeinsam mit Susanne Winkler demonstrierte sie das  – und wies kurze Zeit später auf einen Osterhasen. „Gegenüber könnte ein Uhu sein“, stellte ein Besucher fest, was abermals zu regen Dialogen führte. Dadurch, dass Doris Dreyer ihre Bilder häufig umdreht, findet man in ihren Werken auch kaum Signaturen. „Schon mal auf der Rückseite, oder ich ritze sie mit dem Pinsel in die Ölfarbe ein. Ich bin immer vorsichtiger mit den Unterschriften geworden, weil ich gemerkt habe, dass sich da etwas bewegt“, stellte sie ihre Intention dar.

Einem weiteren Werk hat sie den Titel „Cello“ gegeben. Dort sah Ludwig Schwedhelm links im Bild eine schlanke Dame mit einem schicken Federhut. Doris Dreyer wies dann auf das Cello nebst Bogen. „Kann sein, muss aber nicht sein“, gab sie Raum für freie Auslegungen. „Das Bild ist farblich im Gleichgewicht“, freute sich ein Besucher über die verschiedenen Grau- und Rottöne. Aufgrund von Fotos, die ihr Bruder von einer Höhlenwanderung aus Amerika mitgebracht hatte, entstand auch ein zweigeteiltes Bild, in dem man durchaus eine Figur mit Gesicht erkennen kann. Abgerundet wird die Ausstellung, die bis zum 4. März täglich von 15 bis 17 Uhr in der Alten Mädchenschule in Ostercappeln besucht werden kann, durch einige Drucke in der Technik der Kaltnadelradierung. „Was siehst du?“ kann also zu einer spannenden Reise für die Augen werden.

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